eulenspiegel - Ausgabe 759

ab S. 13 Einkaufsservice, u.v.m. Weiberfastnacht, Ossensamstag, Kostümtipps, u.v.m. ab Seite 8 OSNA DIE SZENEZEITUNG KOSTENLOS IST HELAU DAS BESSERE ALAAF? 0541 957 20-0 • www.dereulenspiegel.de 37. Jahrgang • Ausgabe 759 • 12. Februar 2020 Osna Helau! – dieser Ruf der Jecken und Narren schallt am 22. Februar wieder durch die Straßen der Osnabrücker Innen- stadt. Um 14 Uhr wird sich an diesem Samstag der Festumzug vom Alando aus in Bewegung setzen. Doch wie stehen die Deutschen zur „Fünften Jahres- zeit“? Sind die Karnevalsfans oder die Karnevalsmuffel in der Überzahl? Was begeistert die einen, was nervt die anderen? Und: Stimmt es wirklich, dass Fremdgehen an Karneval ver- ziehen wird? Diesen Fragen ist die Data and Analystics Group YouGov in Kooperation mit dem SINUS-Institut in einer repräsen- tativen Studie auf den Grund gegangen. In der Bevölkerung stehen sich zwei fast gleich große Lager ge- genüber: 29 Prozent sind Kar- nevalsgegner und 28 Prozent Karnevalssfans. Dem größten Teil der Deutschen (41 Prozent) ist Karneval, Fasching oder Fast- nacht allerdings egal. Den tradi- tionellen Beginn der närrischen Tage am wohl bekanntesten Schnapsdatum Deutschlands (11.11. um 11:11 Uhr) feiern daher auch nur 12 Prozent der Bevölkerung aktiv. Ihren eigent- lichen Höhepunkt erreicht die Karnevalszeit in der Woche vor Aschermittwoch. Dann lassen sich auch mehr Deutsche von der guten Laune anstecken: Im- merhin ein Fünftel (21 Prozent) will die „Jecken-Tage“ bejubeln. Jeder Zehnte (10 Prozent) will sich die lustigste Zeit des Jahres nicht von Chef und Kollegen ver- derben lassen und nimmt sich sogar Urlaub. Die Karnevalszeit hat den Ruf, dass es die Deutschen während dieser Zeit mit der Treue nicht so genau nehmen: Zunächst bis zur Unkenntlichkeit verkleidet und dann mit ein paar Bier zu viel die Hüllen fallen lassen – aber nicht vor dem eigenen Partner. Die Studienergebnisse zeigen je- doch, dass die Moral im Lande auch zur Narrenzeit bei den aller- meisten intakt ist. Einen Frei- schein zum Karnevalsflirt stellen sich nur 23 Prozent der liierten bzw. verheirateten Deutschen aus, fast genauso viele (22 Pro- zent) erteilen ihrer besseren Hälfte zum Karneval eine Flirt-Er- laubnis. Mehr als flirten ist aber auch während der Karnevalszeit tabu: Für 85 Prozent der Verge- benen kommen sexuelle Aben- teuer außerhalb der eigenen Partnerschaft nicht in Frage, ebenso viele fordern diese Standfestigkeit auch von ihrer besseren Hälfte ein. Nur eine kleine Minderheit (6 Prozent) er- laubt sowohl sich als auch dem Partner einen närrischen Seiten- sprung. Jecken und Narren begründen ihre Begeisterung vor allem mit der ausgelassenen Stimmung, die eine tolle Abwechslung zum Alltag darstellt (63 Prozent). Bei der Mehrheit beliebt sind auch die Straßenumzüge (54 Pro- zent). Knapp die Hälfte (48 Pro- zent) bekommt gute Laune von der Karnevalsmusik. Für etwas weniger (38 Prozent) ist die Nar- retei eine ernste Sache, denn sie wollen bewusst jeckes Brauch- tum pflegen. Knapp ein Drittel schunkelt, singt und tanzt gerne gemeinsam mit anderen Men- schen (31 Prozent) oder mag es, sich zu verkleiden (29 Prozent). Und was stört die Karnevals- muffel an den bunten Tagen? 60 Prozent geht es auf den Geist, dass es manchen nur noch um ausgiebiges Trinken geht. Knapp die Hälfte kritisiert, dass sich die Menschen zu albern verhalten und dass die ausgelassene Kar- nevalsstimmung zu aufgesetzt ist (jeweils 48 Prozent). Auch die zugemüllten Straßen sind für viele ein Problem (43 Prozent). Darüber welche Stadt die Kar- nevalshochburg in Deutschland ist, sind die Menschen aus Köln, Mainz und Düsseldorf sicherlich unterschiedlicher Meinung. Aus Sicht aller Deutschen ist dieser Streit jedoch entschieden: Für über zwei Drittel (68 Prozent) ist Köln DIE deutsche Karnevals- hochburg. Mainz (15 Prozent) und Düsseldorf (6 Prozent) lie- gen weit abgeschlagen auf den letzten Plätzen. Im Norden sind Osnabrück, Damme und Braun- schweig federführend was den Karneval angeht. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.052 Personen ab 18 Jah- ren teilnahmen. In Osnabrück hat es der Bürger- ausschuss Osnabrücker Karne- val (BOK) geschafft, den „Turn Around” hinzulegen. Mit fast 20.000 Menschen zog die Be- sucherzahl am letztjährigen Os- sensamstag wieder stark an. Auch das Programm rund um die Familienzone wird von vielen Fa- milien angenommen. 2020 wird auch die Zahl der Umzugsteil- nehmer steigen. Mittlerweile wird der Ossensamstag auch von der Stadt wieder größer unter- stützt als noch vor ein paar Jahren. Diese positiven Fakten tragen am Ende dazu bei, dass der Ossensamstag langsam aber sicher zum Glanz vergangener Zeiten kommt. Alles weitere zum Karnevalstreiben in unserer Re- gion ab Seite 8. Krahnstr. 36-37 • 49074 Osnabrück (in der Theaterpassage) Mo - Fr 9.00-18.30 Uhr - Sa 8.30-15 Uhr, ohne Voranmeldung Fremdgehen bleibt tabu - Karneval spaltet die Deutschen Kreis Osnabrück: 27 Prozent mehr Rentner auf Stütze angewiesen Karneval - Aus Liebe zu Osnabrück Wenn die Rente nicht reicht Hochzeits- und Familienfeier sowie Betriebsfest bis 140 Personen Bremer Straße 81 · 49191 Belm · Telefon 05406/3176 lecon_liebenow@freenet.de Lecons Scheune Party-Scheune für 50 - 100 Personen gasthaus-lecon.de Seite 12 OSNABRÜCKER TELEGRAMM Das einzig echte Original Tuningmesse in Osnabrück Seite 5 Seite 19 Szene gegenüber IKEA-OS www.tastekitchen.de Fur Ge iesser: n Steaks in beste Qualitat r FE UA -SP CI L BR R E A Karneval hin oder her: Fremdgehen bleibt ein Tabu Ausgelassene Stimmung, Umzüge und Musik – das begeistert die Karnevalsfans Trinken, Albernheit, Müll – das stört die Karnevalsmuffel Köln ist DIE deutsche Karnevalshochburg Der Osnabrücker Karneval hat die Talsohle hinter sich Immer mehr Menschen im Landkreis Osnabrück sind neben ihren Altersbezügen auf staat- liche Stütze angewiesen. Die Zahl der Empfänger von „Alters- Hartz-IV“ stieg innerhalb von zehn Jahren um 27 Prozent. Gab es im Kreis 2008 noch 2.966 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminde- rung, so waren es im vergange- nen Jahr bereits 3.757. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Ge- nuss-Gaststätten mit. Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. Danach erhielten in ganz Nieder- sachsen zuletzt rund 110.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung – 35 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Uwe Hildebrand, Geschäftsfüh- rer der NGG-Region Osnabrück, sieht den Trend mit Sorge – und fordert eine „rentenpolitische Kurskorrektur“. Insbesondere die von der Bundesregierung an- gekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut im Landkreis zu verhindern. „Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini- Renten eigentlich einen An- spruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück“, sagt Hildebrand. So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsfor- schung (DIW) bundesweit ak- tuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armuts- risiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen – selbst bei einer weiterhin posi- tiven Konjunkturentwicklung. „Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehn- te in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, lan- det im Alter oft unter der Ar- mutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs“, erklärt Gewerk- schafter Hildebrand. Hier setze die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante Grund- rente an: Danach sollen die Bezüge von Menschen, die min- destens 35 Jahre lang gearbei- tet haben und bei der gesetz- lichen Rente trotzdem unter die Grenze von 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. „Das Modell wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Rentensystem. Es würdigt die Leistung von denen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben“, betont Hilde- brand. Ausschlaggebend sei aber, dass es dabei keine Bedürftigkeits- prüfung gebe. „Wer eine solche Prüfung fordert, trifft die Fal- schen, weil es in den allermeis- ten Fällen um Haushalte mit kleinen Einkommen geht. Eine Bedürftigkeitsprüfung steht auch dem Rentenprinzip ent- gegen, nach dem Beitragszahler einen individuellen Leistungsan- spruch erwerben“, so Uwe Hilde- brand. Die NGG fordert die Große Koalition auf, bei dem Thema jetzt „ernst zu machen“. Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, habe mehr verdient als die bloße Grundsicherung. Am Ende stehe ein Stück des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf dem Spiel. „Für Tausende Beschäftigte allein im Kreis Osnabrück stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft über- haupt noch möglich ist“, warnt Hildebrand. Diese Sorge dürfe die Politik nicht ignorieren. Sie müsse jetzt die nötigen Mittel aufbringen, um Altersarmut im großen Stil zu stoppen. Das Bundesarbeitsministerium geht bei der Grundrente von jährli- chen Kosten von etwa fünf Milliarden Euro aus. Uwe Hilde- brand: „Allein die Bankenrettung im Jahr 2008 hat den Steuer- zahler rund 60 Milliarden Euro gekostet.“ Foto: Björn Kaisen

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